Das Problem des Wachau-Tagesausflugs ist nicht die Strecke, dreißig Flusskilometer, bestens erschlossen , sondern der Takt der anderen: Reisebusse und Kabinenschiffe erreichen Dürnstein ab zehn, Melk ab mittags. Wer eine Stunde vor ihnen läuft, hat das Welterbe für sich. So geht der Tag, ab Krems gerechnet.

08:15, Mit dem Bus nach Dürnstein

Der Wachaubus (Linie 715) braucht von Krems keine Viertelstunde nach Dürnstein. Um halb neun liegt der Ort noch im Schatten des Hangs, die Gassen sind leer, die Läden zu, perfekt. Erst durch die Klostergasse zum Stift mit dem berühmten blauen Turm, dann gleich den Schildern zur Ruine nach.

09:00, Hinauf zur Löwenherz-Burg

Der Aufstieg zur Burgruine Dürnstein kostet 25 bis 30 schweißtreibende Minuten über Stufen und Felsen. Oben: die ganze Donauschleife, die Terrassen, der blaue Turm tief unten, der beste Blick des Tals zur besten Stunde. Hier saß Richard Löwenherz im Winter 1192/93 gefangen, bis ihn, so will es die Legende, sein Sänger Blondel singend fand und ein Lösegeld in Silber freikaufte, von dem Wien eine Stadtmauer baute. Wieder unten ist es halb elf, die ersten Schiffe legen an: exakt der Moment zu gehen.

FAHRPLAN-LOGIK
Die Richtung ist entscheidend: flussaufwärts fahren die Schiffe gegen die Strömung rund drei Stunden Krems–Melk, flussabwärts unter zwei. Deshalb: Dürnstein früh per Bus, dann mit dem Schiff gemütlich aufwärts nach Melk, und heimwärts die Bahn, 35 Minuten. Wer es umgekehrt plant, verbringt den Nachmittag im Gegenlicht und die Ruine mit Reisegruppen.

11:00, An Bord, flussaufwärts

Zurück in Dürnstein oder mit dem Bus kurz nach Spitz: Von beiden legen die Linienschiffe Richtung Melk ab. Jetzt kommt der Panorama-Teil des Tages, bei dem die Wachau das macht, was sie am besten kann: Weißenkirchen mit seiner Wehrkirche, die Terrassen des Tausendeimerbergs, die Marillengärten um Arnsdorf, die Kirche von St. Michael mit den Hasen am Dach, alles zieht in Spaziergeschwindigkeit vorbei. Deck oben, Wind von vorn, Veltliner optional.

14:00, Stift Melk

Vom Schiffsanleger sind es fünfzehn Minuten hinauf zum Benediktinerstift, das seit 900 Jahren über der Stadt liegt und seit dem Barockumbau aussieht, als hätte jemand einen Palast auf den Felsen gegossen. Drinnen die Pflichtpunkte: der Marmorsaal, die Bibliothek mit 100.000 Bänden unter Troger-Fresken, die Altane mit dem Donaublick und als Finale die Stiftskirche, Gold bis unter die Kuppel. Zwei Stunden mit Garten, danach Kaffee in der Stadt, Melk unterhalb des Stifts wird zu Unrecht übergangen.

Aus einem Tag zwei machen?Mit Quartier in Krems oder Dürnstein gehört der Abend dem Tal, und der Heurige dem Plan.
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17:03, Mit der Bahn zurück

Vom Bahnhof Melk über St. Pölten nach Krems oder direkt nach Wien, die Westbahn-Anbindung macht den Rückweg zur Formsache. Wer in Krems wohnt, ist zum Abendläuten zurück und hat noch Zeit für den Schlusspunkt: ein ausg'steckter Heuriger in Stein oder den Weinorten, Brettljause, Marillennektar für die Fahrer, und die Bilanz des Tages: eine Ruine, dreißig Flusskilometer, eine der schönsten Bibliotheken der Welt, alles ohne Autoschlüssel.

Die Fakten, gesammelt

Bus 715: Krems–Dürnstein–Spitz, stündlich, Viertelstunde. Schiff: April bis Oktober, Dürnstein/Spitz–Melk flussauf ~2-3 h; Kombitickets mit Stiftseintritt sparen ein paar Euro. Ruine: frei zugänglich, festes Schuhwerk, 25-30 min Aufstieg. Stift Melk: täglich, im Winter nur mit Führung; Bibliothek fotografierfrei. Bahn Melk–Krems: über St. Pölten, ~1 h. Kardinalfehler: Dürnstein mittags. Alles andere verzeiht das Tal.

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