Wer nach einem fixen Datum für die Marillenblüte in der Wachau sucht, wird enttäuscht: Einen Kalendertag, an dem die Hänge zuverlässig in Rosa und Weiß stehen, gibt es nicht. Stattdessen braucht es ein Gespür für das Wetter der vorangegangenen Wochen und etwas Flexibilität bei der Planung. Wer das weiß, kann die Blüte trotzdem gut treffen, und dazu noch die ruhigeren Stunden zwischen Schiffsanlegern und Bustouren nutzen.
Der Zeitraum: meist Ende März bis Mitte April
In den meisten Jahren beginnt die Marillenblüte zwischen den letzten Märztagen und der ersten Aprilwoche. Die volle Pracht hält dann etwa sieben bis zehn Tage an, bevor die Blüten abfallen und erstes Laub nachschiebt. Nach einem milden Februar kann sich der Termin um zwei bis drei Wochen nach vorne verschieben, nach einem kalten Frühjahr entsprechend nach hinten. Ein später Frost kann die Blüte zudem schädigen, noch bevor sie richtig eingesetzt hat. Wer konkret plant, sollte in den Wochen davor regionale Wetterberichte und, wo verfügbar, aktuelle Blütemeldungen des Tourismusverbandes verfolgen, anstatt sich auf ein Datum aus dem Vorjahr zu verlassen.
Die besten Aussichtspunkte rund um Krems
Von Krems aus lässt sich die Blüte auf mehreren Entfernungen erleben. Schon in den Weingärten oberhalb der Kellergasse in Krems-Stein, fußläufig vom Zentrum erreichbar, stehen vereinzelt Marillenbäume. Die Terrassen rund um Stift Göttweig, auf der gegenüberliegenden Donauseite, liegen etwa acht Kilometer entfernt und bieten einen weiten Blick über das Tal. Richtung Westen folgt Dürnstein nach rund acht Kilometern, mit Weingärten unterhalb der Burgruine. Wer weiterfährt, erreicht nach etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Kilometern die Hänge um Weißenkirchen und Spitz, wo die Marillenkulturen besonders dicht stehen. Für einen Rundumblick lohnt der Jauerling, die höchste Erhebung der Wachau, allerdings mit entsprechend längerer Anfahrt und Gehzeit.
Vor den Schiffen, nach den Bussen: Taktdenken für die Blütezeit
Die Marillenblüte zieht in diesen Wochen deutlich mehr Tagesgäste an als ein gewöhnlicher Aprilvormittag. Kreuzfahrtschiffe legen in der Saison meist zwischen neun und zehn Uhr an den Anlegestellen an, Reisebusse treffen zu ähnlichen Zeiten ein. Wer zwischen sieben und neun Uhr unterwegs ist oder den späteren Nachmittag ab etwa sechzehn Uhr nutzt, findet die Aussichtspunkte spürbar leerer und hat zugleich das schönere Licht für Fotos. Werktage sind durchwegs ruhiger als Wochenenden, und fällt die Blüte in das Osterwochenende, verdoppelt sich der Andrang an diesen Tagen noch einmal.
Statt auf ein fixes Datum zu warten, ab Mitte März zehn bis vierzehn eher milde, frostfreie Tage im Blick behalten. Folgen mehrere Tage mit Werten über zehn Grad, öffnen sich die Knospen meist innerhalb einer Woche.
Zu Fuß oder per Rad durch die Blüte
Der Welterbesteig Wachau führt in mehreren Etappen durch Weingärten und Marillenanlagen oberhalb der Donau. Die Teilstrecke zwischen Dürnstein und Spitz misst rund zwölf Kilometer mit einigen hundert Höhenmetern Auf- und Abstieg, dafür sollten vier bis fünf Stunden eingeplant werden. Parkplätze an den Ortseinfahrten kosten meist zwischen drei und fünf Euro pro Tag. Wer es ruhiger angehen möchte, nimmt den Donauradweg: Krems und Spitz liegen rund dreißig Kilometer auseinander, mit dem Leihrad oder E-Bike gut an einem Vormittag zu schaffen. Festes Schuhwerk ist auch im Frühling sinnvoll, da die Wege nach Regen rasch aufweichen.
Heurige und ausg'steckt: Rast zwischen den Feldern
Viele Buschenschänken öffnen passend zur Marillenblüte ihre Saison, erkennbar am traditionellen Föhrenbuschen über dem Eingang: Hängt er, ist der Betrieb ausg'steckt, also geöffnet. Ein kleiner Imbiss mit Brettljause und einem Glas Wein oder Most kostet in der Regel zwischen zehn und zwanzig Euro pro Person. Die Marillen selbst sind zu dieser Zeit übrigens nur Blüte, nicht Frucht: Geerntet wird erst ab Ende Juni, wer also im April nach frischen Früchten fragt, wird freundlich auf den Sommer vertröstet. Für konkrete Öffnungstage lohnt ein kurzer Blick auf aktuelle Aushänge vor Ort, da viele Betriebe nur an einzelnen Wochentagen aufsperren.
